Deutsch-Polnisches Feuerwehrkommandantenforum in Schwerin – Mecklenburg-Vorpommern übernimmt Schlüsselrolle im grenzüberschreitenden Katastrophenschutz

Vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen „Zeitenwende“ hat das Deutsch-Polnische Feuerwehrkommandantenforum in Schwerin die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter vertieft. Mit der Übernahme des Vorsitzes der Arbeitsgruppe Katastrophenschutz durch Mecklenburg-Vorpommern wurde zugleich ein bedeutender Schritt für die zukünftige Ausrichtung gesetzt.

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Teilnehmende des 5. Dt.-Pl. Kommandantenforums
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Nr.07 LPBK 2026  | 23.04.2026  | KS  | BKSMB - Katastrophenschutz

Am 22. und 23. April 2026 fand in Schwerin das 5. Deutsch-Polnische Feuerwehrkommandantenforum gemeinsam mit der Sitzung der Arbeitsgruppe Katastrophenschutz der Deutsch-Polnischen Regierungskommission statt. Vertreter aus Deutschland und Polen – darunter Innenministerien, Feuerwehren, militärische Akteure sowie europäische Programmstellen – kamen zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Zusammenarbeit zu beraten. Die Veranstaltung stand im Zeichen einer veränderten sicherheitspolitischen Lage und unterstrich die wachsende Bedeutung eines leistungsfähigen, grenzüberschreitend abgestimmten Bevölkerungsschutzes. Zentrale Themen waren u.a. die Stärkung des Ehrenamtes, die Förderung der gesellschaftlichen Resilienz sowie der Ausbau persönlicher Netzwerke zwischen den beteiligten Akteuren.

Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf der Nutzung europäischer Förderinstrumente. Im Rahmen des Interreg VI A-Programms wurden Möglichkeiten zur Finanzierung gemeinsamer Projekte vorgestellt – von der Beschaffung von Einsatzmitteln bis hin zu Ausbildungs- und Übungsformaten. Dabei wurde ausdrücklich betont, dass insbesondere auch Kooperationsprozesse selbst förderfähig sind und somit strukturell unterstützt werden können. Praxisbeispiele aus den Grenzregionen zeigten, dass die Zusammenarbeit bereits im Alltag funktioniert, jedoch weiter vertieft werden kann. Regelmäßige Abstimmungen, zweisprachige Verfahren sowie erste grenzüberschreitende Unterstützungsleistungen im Rettungsdienst verdeutlichen das vorhandene Potenzial. Gleichzeitig wurden rechtliche und organisatorische Herausforderungen, etwa bei Einsatzfahrten über die Grenze hinweg, offen adressiert. Ein weiterer Fokus lag auf der Aus- und Fortbildung. Die vertiefte Kooperation zwischen deutschen und polnischen Ausbildungseinrichtungen sowie die geplante Entwicklung gemeinsamer Trainingsformate – auch unter Einbindung europäischer Mechanismen wie des EU-Katastrophenschutzverfahrens – wurden als zentrale Bausteine für die Zukunft identifiziert.

Im strategischen Teil des Forums wurden unterschiedliche nationale Ansätze im Bevölkerungsschutz gegenübergestellt. Während Deutschland weiterhin auf eine föderale, klar zwischen ziviler und militärischer Gefahrenabwehr getrennte Struktur setzt, verfolgt Polen mit dem neuen Gesetz zum Bevölkerungsschutz und Zivilschutz einen umfassenden systemischen Ausbau. Die Diskussion machte deutlich, dass trotz unterschiedlicher Ausgangslagen gemeinsame Zielbilder bestehen – insbesondere hinsichtlich der Stärkung von Resilienz und der besseren Einbindung der Bevölkerung. Auch die Rolle militärischer Kräfte im Bevölkerungsschutz wurde beleuchtet. Am Beispiel der polnischen Territorialverteidigung wurde aufgezeigt, wie zivil-militärische Zusammenarbeit praktisch ausgestaltet werden kann und welchen Beitrag militärische Einheiten bereits heute im Katastrophenfall leisten. Konkrete Ergebnisse des Forums umfassen unter anderem die Weiterentwicklung standardisierter Verfahren für grenzüberschreitende Hilfeleistungen, die Einführung und Erprobung gemeinsamer Anforderungsformulare sowie die Planung gemeinsamer Ausbildungsmaßnahmen und Übungen ab Herbst 2026.

Einen besonderen Meilenstein stellte die Übergabe des Ko-Vorsitzes der Arbeitsgruppe Katastrophenschutz von Brandenburg an Mecklenburg-Vorpommern dar. Mit dieser Funktion übernimmt das Land künftig eine zentrale Steuerungsrolle in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit und setzt zugleich ein deutliches Signal für die weitere Intensivierung der Partnerschaft im Bevölkerungsschutz.

Das Forum in Schwerin machte insgesamt deutlich: Grenzüberschreitender Katastrophenschutz ist mehr als organisatorische Abstimmung – er lebt von Vertrauen, gemeinsamen Standards und gelebter Partnerschaft. Mit der neuen Führungsrolle Mecklenburg-Vorpommerns sind hierfür wichtige Weichen gestellt.