Trinkwasser im Katastrophenfall – Landeskatastrophenschutzlager Mecklenburg-Vorpommern erprobt mobile Versorgungssysteme
Was passiert, wenn die öffentliche Trinkwasserversorgung ausfällt? Wie wird sichergestellt, dass die Bevölkerung auch in einer Extremlage schnell, sicher und hygienisch einwandfrei mit Trinkwasser versorgt werden kann?
Genau diesen Fragen wurde am 25. März 2026 bei einer praktischen Stellprobe im Landkreis Ludwigslust-Parchim nachgegangen.
Hintergrund: Trinkwasser als kritische Infrastruktur
Trinkwasser gehört zu den sensibelsten Elementen der kritischen Infrastruktur. Ein Ausfall – sei es durch Naturkatastrophen, technisches Versagen, Kontamination oder andere Schadenslagen – kann innerhalb kürzester Zeit zu einer ernsthaften Bedrohung für Leben und Gesundheit der Bevölkerung werden.
Mecklenburg-Vorpommern hat daher im Rahmen seiner Katastrophenschutzvorsorge mobile Trinkwasserversorgungssysteme als Teil der Landesreserve aufgebaut und stellt diese den Landkreisen und kreisfreien Städten bei Bedarf zur Verfügung.
Damit diese Systeme im Ernstfall reibungslos funktionieren, bedarf es regelmäßiger Übungen und praxisnaher Erprobungen.
Die Stellprobe: Theorie wird Praxis
Am 25. März 2026 fand unter Beteiligung der Freiwilligen Feuerwehr Grabow, die Teil der Logistikgruppe (LogGr) des Landkreises Ludwigslust-Parchim ist, eine Stellprobe ohne Wasserbefüllung statt. Ziel war es Abläufe zu testen, Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Kräften zu üben.
Im Mittelpunkt standen dabei folgende Elemente:
- Beladung des Abrollbehälters Logistik (AB-L): Die korrekte Positionierung und Sicherung der Trinkwasserbehälter auf dem Wechselladerfahrzeug wurde geübt und überprüft,
- Sicherung der Behälter: Podeste und Sperrbalken wurden eingesetzt, um die Behälter standsicher zu fixieren. Ergänzend ist der Einsatz von Niederzurrgurten (Spanngurten) vorgesehen, um auch unter schwierigen Fahrbedingungen maximale Ladungssicherheit zu gewährleisten.
- Kopplung der Systemkomponenten: Die Verbindung von Behältern, Schläuchen und Armaturen wurde praktisch erprobt. Dieser Schritt ist besonders kritisch, da im Ernstfall alle Verbindungen trinkwassertauglich und dicht sein müssen.
Die Stellprobe ohne Befüllung ermöglichte es, sich zunächst auf die logistischen und technischen Abläufe zu konzentrieren, ohne gleichzeitig den zusätzlichen Aufwand der Wasserhandhabung bewältigen zu müssen. Ein bewährter Ansatz in der Ausbildung: erst die Struktur, dann der Realfall.
So ist die Landesreserve aufgebaut
Mecklenburg-Vorpommern verfügt über zwei mobile Systeme für den Trinkwassertransport, die als Teil der Landesreserve vorgehalten werden. Jedes System umfasst sechs Behälter mit je 1.000 Litern Fassungsvermögen – zusammen also eine Kapazität von 6.000 Litern pro System.
Die Behälter sind vollständig ausgerüstet mit:
- trinkwasserzugelassenen Inlinern (Innenbeschichtungen, die den Hygieneanforderungen an Lebensmittelkontaktmaterialien entsprechen) und
- zertifizierten Schläuchen und Armaturen, die einen sicheren und kontaminationsfreien Transfer des Wassers gewährleisten.
Der Transport erfolgt über Wechselladerfahrzeuge (WLF) mit Abrollbehälter Logistik (AB-L) – eine bewährte und flexible Fahrzeugtechnik, die es ermöglicht, die Systeme schnell zu verlegen und an verschiedenen Einsatzorten bereitzustellen.
Nächste Schritte: Auf dem Weg zur Einsatzreife
Die Stellprobe vom 25. März 2026 war ein wichtiger erster Schritt – aber noch nicht der letzte. Die weiteren geplanten Erprobungsschritte umfassen:
- Erprobung mit Befüllung: Im nächsten Schritt werden die Behälter mit Trinkwasser befüllt, um realistische Bedingungen hinsichtlich Gewicht, Handhabung und Dichtigkeit zu testen.
- Fahrprobe unter realen Bedingungen: Das beladene System wird unter realistischen Fahrbedingungen erprobt – ein unverzichtbarer Schritt zur Überprüfung der Ladungssicherheit und des Fahrverhaltens.
- Einbindung der zuständigen Trinkwasserschutzbehörden: Trinkwasserversorgung im Katastrophenfall berührt unmittelbar gesundheitsrechtliche und lebensmittelrechtliche Anforderungen. Die enge Abstimmung mit den zuständigen Behörden ist daher nicht nur sinnvoll, sondern zwingend erforderlich.
Gemeinsam vorbereitet – für den Fall der Fälle
Die Erprobung zeigt exemplarisch wie Katastrophenschutz in Mecklenburg-Vorpommern funktioniert: ressortübergreifend, praxisnah und mit dem klaren Ziel im Ernstfall handlungsfähig zu sein.
Denn wenn Trinkwasser knapp wird – zählt jede Minute.
