Speziallehrgang „Selbstlaborate und Flüssigsprengstoffe in USBV“

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„Laborarbeitsplatz“ eines Hobby-Pyrotechnikers
„Laborarbeitsplatz“ eines Hobby-Pyrotechnikers
„Laborarbeitsplatz“ eines Hobby-Pyrotechnikers
Nr.2 - LPBK - 320  | 07.02.2018  | MB  | BKSMB - Munitionsbergung

Mit der Umsetzung der überarbeiteten Richtlinien und Lehrpläne für die Aus- und Fortbildung kriminalpolizeilicher Sprengstoffermittlungsbeamter und Entschärfer von USBV für eine zukunftsorientierte und bedarfsangepasste Ausgestaltung der Aus- und Fortbildung im Bereich Sprengwesen werden jetzt entsprechende Basis-, Aufbau- und Spezialmodule entwickelt.

Der früher nur als Seminar angebotene einwöchige Speziallehrgang „Selbstlaborate und Flüssigsprengstoffe in USBV“ wurde dieses Jahr erstmalig bei der Bundespolizeiakademie in Lübeck angeboten, hieran nahm – neben Vertretern der Ermittler- und Entschärferdienststellen anderer Bundesländer, der Bundespolizei, des BKA sowie der Unité Spéciale de la Police (Luxemburg) und der Kantonspolizei Bern (Schweiz) – ein Mitarbeiter des MBD M-V teil.

Der Lehrplan sah neben den theoretischen Anteilen (Grundlagenwissen der organischen und anorganischen Chemie, Chemie der Explosivstoffe, Ausgangsmaterialien und deren Beschaffungswege/Herstellung) auch praktische Synthesen von verschiedenen Sprengstoffen – im Labormaßstab! – vor. Hierbei war das fehlerfreie Aussprechen von „Pentaerythrityltetranitrat“, „Hexamethylentriperoxiddiamin“, „Ethylenglycoldinitrat“ oder „Methylethylketonperoxid“, zumindest aber die Kenntnis der entsprechenden Abkürzungen *) noch das kleinere Problem …

Für jeden Kursteilnehmer wurde aber sehr anschaulich deutlich, wie man aus scheinbar harmlosen handelsüblichen Chemikalien – entsprechendes Fachwissen vorausgesetzt – mit relativ einfachen „Haushaltsmitteln“ wie Küchenmixer, Kaffeemaschine etc. hochbrisante Sprengstoffe herstellen kann. Gleichzeitig wurde aber auch die Gefährlichkeit gerade dieser Selbstlaborate deutlich vor Augen geführt, so dass bei entsprechenden Lagen der Entschärfer auch mögliche Konsequenzen von einzelnen Maßnahmen abschätzen kann.

Weiterer Teil der praktischen Ausbildung war entsprechend auch das Abarbeiten von Lagen mit „Fundsituation Selbstlaborate“ (Wohnungsküche, in der Sprengstoff hergestellt wurde, Funde von Selbstlaborat bei Wohnungsdurchsuchungen etc.)

Ein Nebenaspekt des Lehrganges war der Austausch sowohl mit anderen Lehrgangsteilnehmern als auch mit den Lehrkräften (promovierte Chemiker) in Bezug auf Nachweis- und Analysemethoden beim Auffinden von verdächtigen Substanzen sowie der hierfür aus praktischer Sicht am besten geeigneten Schnelltests bzw. Analysegeräte, da die Beschaffung derartiger Ausstattung auch für den MBD M-V vorgesehen ist.

Ein von den Lehrgangsteilnehmern deutlich geäußerter Verbesserungsvorschlag wäre das Einfügen eines zusätzlichen Praxistages mit entsprechenden Sprengungen von derartigen Selbstlaboraten. Hierzu könnte ggf. die Liegenschaft des MBD M-V in Jessenitz dienen, an der bereits erfolgreich auch andere Ausbildungen durchgeführt werden.

 *): PETN / HMTD / EGDN / MEKP