Bilanz Munitionsbergungsdienst 2015

Nr.Ministerium für Inneres und Sport  | 20.05.2016  | MB  | BKSMB - Munitionsbergung

Auch im Jahr 2015 hat der Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern (MBD M-V) seinen Beitrag als Dienstleister zum Schutz der Bevölkerung vor den Gefahren durch Kampfmittel geleistet. 74 Tonnen Kampfmittel und Kampfmittelteile haben der MBD oder beauftragte Drittfirmen landesweit insgesamt geborgen, abtransportiert und/oder zur Sprengung vorbereitet (Jahr 2014: rund 58 Tonnen), davon mehr als 9,2 Tonnen bei 375 Soforteinsätzen (Einsätze im Rahmen der unmittelbaren Gefahrenabwehr). Die Bandbreite bei den Soforteinsätzen erstreckt sich hierbei von Einzelfunden von Handwaffenmunition über Infanteriekampfmittel (z.B. Handgranaten), Granaten, Bomben bis hin zu Großfunden, bei denen mehrere hundert Kilogramm Kampfmittel geborgen wurden. Die größte Gesamtmenge bei einem Einsatz gab es im Juni 2015 in der Ortschaft Grambow im Landkreis Vorpommern-Greifswald nahe der polnischen Grenze, wo bei Bauarbeiten eine Vergrabungsstelle der Wehrmacht entdeckt wurde.

 „Menge oder Gewicht der geborgenen Munition sagen allerdings nichts über die Brisanz der Kampfmittel aus“, warnt Innenminister Caffier vor falschen Schlüssen. „Oft ist es die kleine, äußerlich eher unscheinbare Munition, die ein wesentlich höheres Gefahrenpotential birgt, weil diese Munition häufiger unterschätzt wird. Bereits eine einzige 2 cm Sprenggranate mit einem Gewicht von rund 120 Gramm und einer Sprengladung von 10 Gramm hat in der Regel eine tödliche Wirkung.“

Wichtigste Maßnahme beim Fund eines kampfmittelverdächtigen Gegenstandes bleibt daher immer:

  • Gegenstand nicht berühren
  • Polizei oder örtliche Ordnungsbehörde informieren, diese benachrichtigen den MBD M-V.

Der MBD M-V ist nicht nur bei Soforteinsätzen gefragt, sondern arbeitet vor allem auch Aufträge bzw. Anträge Dritter ab. Die Zahl dieser Einsätze ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und hat sich seit dem Jahr 2009 von 80 auf 191 im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Hintergrund ist die größere Sensibilisierung von Bauherren und Auftraggebern, aber auch die verstärkte Überwachung auf Einhaltung der Auftraggeberpflichten z.B. durch die Berufsgenossenschaft. Im Jahr 2015 gab es sehr viele Aufträge zur vorsorglichen Absuche von Baugrundstücken in bombardierten Städten im Zusammenhang mit Bauvorhaben, bei denen vereinzelt Kampfmittel gefunden wurden wie z.B. bei den Untersuchungen in Rostock, bei denen im Juli 2015 im Petri-Viertel eine 250 lb. Brandbombe und im August 2015 in der Harte Straße eine teildetonierte 1000 lb. Sprengbombe geborgen werden mussten. „Spitzenreiter“ hinsichtlich der Masse an geborgenen Kampfmitteln war ein Areal von rund 40 Hektar der ehemaligen Munitionsanstalt Torgelow, aus der allein 38.015 kg Kampfmittel (von einzelnen Zündern, Infanteriemunition, Granaten der Kaliber 13 mm bis 10,5 cm sowie Bomben bis 500 kg Gewicht) beräumt wurden.

Die höchste mediale Aufmerksamkeit gab es bei der Beräumung des Strands von Boltenhagen (beräumt wurden 30 Granaten der Kaliber 2 cm bis 73 mm). Bei der Strandaufspülung zum Küstenschutz auf der Insel Hiddensee wurde erstmals vorsorglich ein neues Siebverfahren angewandt, das sich auch bewährt hat. Bei der neuen Verfahrensweise wird das gesamte Spülgut an Land durch einen Siebkorb gespült, der mit einer Maschenweite von 12 mm alle zu erwartenden Kampfmittel, wie beispielsweise Flugzeug-Bordwaffenmunition ab Kaliber 12,7 Millimeter zurückhält. Insgesamt 304 Kampfmittel und Munitionsteile mit Anhaftungen (Hülsen verschiedener Herkunft und Kaliber, kleine Zünder, Munitionsteile mit Anhaftungen, Granaten) wurden ausgesiebt, die zusammen mit dem Sand vom Meeresgrund aufgesaugt wurden und ohne diese neue Siebtechnologie zusammen mit dem Spülsand an den Strand gelangt wären.

Innenminister Lorenz Caffier geht davon aus, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis die gefährlichen Hinterlassenschaften z.B. auf Landes- oder Bundeswaldflächen, auf ehemaligen Militärflächen oder in bombardierten Städten beseitigt sein werden. „Für die Bevölkerung geht von diesen Flächen aber grundsätzlich keine unmittelbare Gefahr aus. Bei der Kampfmittelberäumung werden Prioritäten gesetzt, wo Gefahr im Verzug ist, wie im letzten Jahr an Stränden, wird sofort beräumt“, macht der Minister klar.

Erfreut zeigte sich der Minister darüber, dass es trotz intensiver Räum- und Vernichtungsarbeiten auch im Jahr 2015 keine Unfälle bei der Kampfmittelbeseitigung gegeben hat. Er führt dies auf die gute Ausbildung, die Umsicht und Professionalität sowohl des Personals des MBD M-V (35 Mitarbeiter) als auch der beauftragten zivilen Räumfirmen zurück.

Weitere Informationen finden Sie im Service unter Zahlen-Daten-Fakten im Bereich Munitionsbergung oder hier.